Dienstag, 30. Juni 2015

Einfach mal einen Brief schreiben...


Gute Aktionen für Flüchtlinge sprießen zur Zeit nur so aus dem Boden, Menschen engagieren sich - sei es beim Geld und Sachspenden sammeln und austeilen, oder aber auch bei einer ganz besonderen:
Sie kostet kein Geld, kaum Zeit, nur ein paar nette Worte.
Und seien wir uns doch ehrlich, wie selten schreiben viele von uns noch Briefe, und vergessen oft, was das eigentlich für eine wundervolle Beschäftigung ist <3

Herzliche Einladung zum Mitmachen:
https://www.aufstehn.at/


Bald geht's hier wieder weiter, ab morgen beginnen meine Ferien - 3 Monate in denen ich hier vieles umsetzen kann, was ich schon viel zu lange vorhatte. Ich freu mich!

Donnerstag, 25. Juni 2015

Lesestoff: Alter Vogel, flieg!

"Alter Vogel, flieg. Tagebuch einer pflegenden Tochter" von Bärbel Danneberg.

Das Buch hab ich zum ersten Mal vor Jahren bei J. gesehen - und wollte es unbedingt lesen!
Vor ein paar Monaten habe ich es mir endlich ausgeborgt.

Die Pflege von alten Menschen ist etwas das viele von uns angeht oder angehen wird. Großeltern und/oder Eltern - viele Menschen werden im Alter pflegebedürftig sein. Und wer nimmt sich dann ihrer an?

Bärbel Danneberg, gelernte Krankenschwester und Journalistin in Pension, kümmert sich gemeinsam mit ihrem Mann um ihre demenzkranke Mutter. Fünf Jahre pflegt sie die alte Frau tagtäglich und führt danebenTagebuchaufzeichnungen. Mit dem anfänglichen Motiv der Nächstenliebe und Mutterliebe kommen im Pflegealltag auch die schweren Momente, die Erschöpftheit und Aussichtslosigkeit. Danneberg gibt einen sehr guten Einblick in das, was die Betreuenden und die alte kranke Frau beschäftigt, wie sie miteinander umgehen. Interessant fand ich auch die Rückblicke in die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in Form von Briefen von Mutter und Vater.

Das Buch regt zum Nachdenken an, Danneberg kritisiert z.B. auch die Umstände der Pflege, die von Staat und Gesellschaft gegeben sind, merkt an, das Pflege noch immer eine "typisch weibliche" Tätigkeit ist. Die Erlebnisse am Ende des Buches sind für Danneberg besonders schwer.

Ich habe das Buch mit einem weinenden und einem lachenden Auge gelesen. Lachend deshalb, weil die Begegnungen mit der alten dementen Frau auch immer wieder Schönes hervorbrachten und sich dadurch Neues auftat. Ich kann das Buch nur empfehlen, es liest sich sehr gut, und das Thema ist ein ganz anderes als all die anderen Bücher die ich bisher gelesen habe.

Donnerstag, 18. Juni 2015

sich dumm fühlen [Gedanken einer Studentin]


Dieser Post geht einher mit dem Stress, der jetzt auf so viele StudentInnen von uns zukommt (oder schon länger da ist, oder sich sowieso seit Anfang des Semesters durchzieht?!).

Das nagt auch irgendwie gerade am Blog, wie ich merke. Ich habe zur Zeit wenig Lust, mit Worten zu jonglieren, mich herzusetzen und mir Texte zu überlegen. Gestern hab ich dann aus lauter Frust eine Postidee gelöscht, weil ich dachte: "Interessiert eh keine(n)".

Neben dem Stress gibt es da aber etwas Anderes, das manchmal an mir nagt: dieses Gefühl, auch kurz vor dem Studienabschluss eine Anfängerin zu sein, eigentlich von Nichts eine Ahnung zu haben.
Das kommt vor allem in Vorlesungen und anderen Lehrveranstaltungen auf, wenn die Profs von irgendwas daherschwafeln, wovon ich absolut keine Ahnung zu haben schein. Zudem werfen sie mit Namen und Büchern um sich, die man nicht schon alle lesen hätte sollen, oder wir (als AnglistInnen, TheologInnen, "Studierte" halt) auf unsere Leseliste setzen sollten.

Das fällt mir vor allem extrem auf der Theologie auf. Angefangen bei den Philosophen und Kirchenvätern, über die ganzen Konzilstexte bis hin zu TheologInnen der Neuzeit (die mich schon eher interessieren). Ganz zu schweigen von anderer Literatur, die ebenfalls relevant wär, wie Romane von Elie Wiesel, Jean Amery, Hartmut Lange.
Und die Bibel, die haben wir TheologInnen ja eh schon mindestens 5 Mal von hinten bis vorne durchgelesen (Zeit, beschämt auf den Boden zu blicken, und sich ganz fest vorzunehmen, endlich einmal damit zu beginnen)!
Griechisch, Hebräisch und Latein – ein Klacks, und den Katechismus kann ich natürlich auch auswendig!
Blöd aber auch, dass mein Studium auf eine weitreichende Literatur blicken kann, von der die ersten Werke schon vor über 2000 Jahren entstanden!

In manchen Situationen fühl ich mich dann so richtig klein und dumm. Unwissend und unbelesen. Manchmal bewundere ich Leute, die so Sachen lernen, und sie sich dann auch über lange Zeit hinweg merken.
Aber ich muss mich damit abfinden: Aus mir wird mal keine hochstudierte Professorin, die jeden Namen, jede Zahl, jede Theorie usw. auswendig weiß! Und das find ich persönlich auch ganz ok. Nicht jede(r) kann alles wissen; wichtiger ist für mich, dass ich mich interessiere, mich weiterbilde, für Sachen begeistere und Neues entdecken will. Diese Einstellung möchte ich mir auch als Lehrerin beibehalten. Für mich, und für meine SchülerInnen.


Somit könnt ich schon mit mir zufrieden sein, wären da nur nicht immer diese vorwurfsvollen Blicke des Professors, und dieses kleine, stichelnde Gefühl in mir drin, das mir zu verstehen gibt: das hättest du jetzt aber schon wissen müssen!

Sonntag, 14. Juni 2015

A Mensch mecht i bleib'n

Heute mal kein Text von mir, sondern ich greif auf einen österreichischen Sänger und Liederschreiber zurück.


Wolfgang Ambros - A Mensch mecht i bleib'n
https://www.youtube.com/watch?v=p0cM_ZdYOU4


Ich finde der Text ist heute aktueller denn je, und ich möchte hier nichts mehr hinzufügen.



Schönen Sonntag!

Donnerstag, 11. Juni 2015

Lesestoff: Plastikfreie Zone

Ein weiteres Buch, das ich hier vorstellen möchte, ist "Plastikfreie Zone. Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben" von Sandra Krautwaschl. Es stand schon länger auf meiner Leseliste, und das Thema ist eins, das mich zur Zeit besonders interessiert.



...Nach dem Film "Plastic Planet" ist Sandra Krautwaschl schockiert über die Ausmaße unseres Plastikkonsums. Sie macht sich Gedanken über die Auswirkungen auf Gesundheit und Natur, und beschließt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern ein Experiment zu starten: einen Monat wollen sie ohne Plastik leben. Und so beschreibt sie die Umstellungen (egal ob im Lebensmittel-, Haushalts- oder Schul- und Kinderbereich) und die damit anfangs verbundenen Schwierigkeiten.


Bei dem spannenden Projekt gefällt mir aber besonders, dass Sandra Krautwaschl noch auf dem Boden bleibt: sie ist pragmatisch, was nicht ersetzt werden kann (wie Computer, Handy, Geschirrspüler etc.), muss bleiben. Das Experiment soll allen noch Spaß machen. Und so schafft die Familie es, die Zeitspanne zu verlängern und verlängern, und kein Ende mehr zu setzen...



Das Ganze ist jetzt schon 6 Jahre her, und auch nach so vielen Jahren lebt die Familie noch zum Großteil ohne Plastik! Auf ihrem Blog http://www.keinheimfuerplastik.at/ hält Sandra Krautwaschl ihre Eindrücke und Veränderungen noch immer fest, und gibt Tipps für diejenigen die es auch einmal ausprobieren wollen. 




Das Thema beschäftigt mich seitdem, ich kann nicht mehr in einen Supermarkt gehen ohne die Berge an Plastikverpackungen zu sehen. Ich habe angefangen, etwas mehr darauf zu achten, aber die Tipps bei weitem nicht umgesetzt. Aber wer weiß was der Herbst so bringen mag, ich habe da so meine Ideen, und in meiner Heimatstadt macht auch ein ganz besonderes Geschäft auf...
Aber dazu ein anderes Mal mehr!

Dienstag, 9. Juni 2015

Eine Zuggeschichte

Letzten Freitag fuhr ich mit dem Zug nach Hause. (Ich bin Studentin, und mein Heimatort liegt von meinem Studienort ca. 1 1/2 Stunden Zugfahrt entfernt).

Ich bin mir noch immer uneinig, ob ich das Zugfahren mag. Zu kalt, zu heiß, zu laut, zu viele Menschen - am Sonntag, bei der Rückreise, traf vieles davon zu.
Am Freitag jedoch hatte ich Glück und fand ein Abteil mit angenehmen Sitznachbarinnen. Als ich stehen blieb und kurz überlegte, dann aber hörte dass die beiden Englisch sprachen, schlug das Anglistinnenherz in mir höher, und ich zögerte nicht lange und setzte mich hinein.

Ich weiß nicht wie's euch geht, aber wenn mich Leute interessieren, kann ich schwer umher als sie nicht ein wenig zu "belauschen". Da bekomm ich trotz Ipod und Unilektüre so einiges mit. In dem Fall war die eine für einen kürzeren Besuch da, die andere wollte ein Jahr oder länger bleiben. Die beiden Amerikanerinnen hielten einen Reiseführer in der Hand und tauschten sich darüber aus.

In solchen Situationen kitzelt es mich immer, und ich würd mich nur allzugern ins Gespräch einmischen. Oft siegt dann das stille Mäuschen in mir, und ich halt meinen Mund; aber zu gern würd ich wissen: Wo kommen die beiden her? Was haben sie vor? Was halten sie von Österreich? Ich glaub dass ist auch was, das mich ausmacht: ein kommunikativer Mensch (wenn ich meine anfängliche Schüchternheit überwunden hab), und wahnsinnig interessiert an anderen Kulturen, Lebensweisen, Menschen.

Gleichzeitig interessierte mich, was sie über mich dachten: da sitzt ein junges Mädl und liest ein englisches Buch über Gottesrede und Gottesmetaphern (meine derzeitige Seminararbeit die mich quält). Finden die das komisch?! Okay?!

Ich schwieg aber weiter und schnappte das ein oder andere Wort auf.

Als dann der Schaffner kam, und sich mit dem einen Ticket der Dame nicht auskannte, sah ich meine Chance! - Jetzt konnte ich übersetzen (und vermeiden dass der Schaffner sein allzu schlechtes Englisch, das in dieser bekannten Bahn in Österreich zu gern verwendet wird, benützt). Fehlanzeige. Ihm war's gleich (oder er wollte sich nicht blamieren) und er ging.

Nun war's aber so weit: mein Handyinternet gab den Geist auf, und mein Englisch tat's ebenso (= ich verstand ein Wort nicht). Einmal zu meiner Nachbarin gewandt fragte ich ganz lieb, ob sie mir weiterhelfen könne, was das heiße. Sie erklärte es mir. Dankeschön, und noch ein erklärendes "my internet is not working, we're right in the middle of nowhere" (Entschuldigung an die Niederösterreicher!), und schon war das Gespräch wieder vorbei.

Beim Ausstieg lächelte mich die junge Frau noch mal an und sagte "Bye, and good luck with your studies!".
Ach, wie gern hätte ich mich mit ihr unterhalten. Ihre Geschichten kennengelernt. Ihnen etwas von Österreich erzählt. Einfach mich mal nett mit Fremden unterhalten. Jeden Tag gibt es so viele Situationen, in denen man Menschen trifft, zu denen man keinen Kontakt hat, mit denen man "aneinander vorbei lebt".
Ein nettes Wort finden, ein Lächeln schenken. Und sich nicht mehr so fremd sein.



Montag, 1. Juni 2015

Lesestoff: Ich geb dir noch eine Chance, Gott!


Mein zweites Buch, das ich hier vorstellen will, ist ein Kinderbuch.


"Ich geb dir noch eine Chance, Gott!" von Gudrun Pausewang beschäftigt sich mit Fragen rund um Gott, Theodizee und die Ungerechtigkeiten in der Welt.



Auf ihrem Heimweg von der Schule muss Nina mit ansehen, wie eine Katze überfahren wird und ihr Junges allein zurückbleibt. Wie kann Gott das nur zulassen? Da Ninas Mutter kein Tier in der Wohnung will, sucht Nina nach einem Platz für sich und das Katzenjunge - und nach jemandem, der ihr die Sache mit Gott erklären kann. So zieht sie von daheim aus los und trifft auf ihrem Weg alle möglichen Menschen. 
So ein Kinderbuch (ok, ich geb zu, zur Zeit les ich situationsbedingt weniger oft Kinderbücher ;-), aber ich denk, ich hab als Kind einige kennengelernt...) hab ich noch nie gelesen. Klar, es gibt den Xaverl ("Wenn du meinst lieber Gott", von Lene Mayer-Skumanz), aber die kleine Nina geht da schon mit einer ganz anderen Radikalität ins Gespräch mit Gott. Richtig wütend und traurig ist sie, und kann absolut nicht begreifen, warum die Katze sterben musste:

'"Gott", schrie Nina zum Himmel, du bist nicht lieb! Und es ist dir ganz egal, ob jemand zu dir betet und um was er bittet! Die Katze hat niemandem etwas Böses getan. Warum muss sie sterben?'


Und das ist es ja, was uns alle beschäftigt, die Großen wie auch die Kleinen - diese Ungerechtigkeit angesichts des Todes, und das Zweifeln an Gott.
Am Ende des Buches trifft Nina dann auf einen Sprayer, der sich die Zeit nimmt ihr zu erklären, was es mit Gott auf sich hat.

Ich glaub, das Buch bringt auch (jung gebliebene) Erwachsene zum Nachdenken.

Teilweise find' ich persönlich es auch fast zu krass geschrieben für Kinder. Dass so ein kleines Mädl den ganzen Abend und die Nacht hindurch durch die Stadt rennt, dabei sogar auf einen "Onkel" trifft, der sie ins Auto einlädt usw., find ich schon ein wenig heftig. Aber Gudrun Pausewang spart halt nicht mit der Realität des Lebens. 
Und gleichzeitig beschäftigt sie sich mit einer (für religiöse Menschen) ganz zentralen Frage: Wieso gibt es Leid in dieser Welt und wie kann Gott das zulassen?