Freitag, 29. Mai 2015

Neid, Hass, Toleranz und Nächstenliebe in der weiten Welt des Internets oder: mein Zweifel an der Menschlichkeit

Ich bin "has", wie der Wiener sagen würd, dermaßen "heiß".
Nein, nicht nur wütend, sondern auch traurig und enttäuscht.
Und deswegen entschuldigt's bitte diesen Post voller Schimpfwörter, ich schau dass ich mich beherrsch.

Ich zweifle mittlerweile an der Menschheit und an der Menschlichkeit.

Dass das Internet ein Ort is, wo ein Haufen "Schaß" drinnen steht, dürft ja jetzt nicht so überraschend sein. Jeder und jede kann seine Meinung (bis zu einem gewissen Grad) kundtun und plärrt alles, was ihn oder sie beschäftigt in die Welt hinaus (gut, das mach ich hier ja auch).
Aber manche Kommentare (ich will ja nicht die Leut dahinter beleidigen) sind unter aller Sau und mit soviel Blödheit gesegnet, dass es nicht nur weh tut, nein, es macht mir auch Angst.

Facebook ist da ein ganz besonderer Ort des Meinung-in-Welt-Hinausschreiens.
Ich will hier gar nicht von den ganzen bunt-politischen Seiten reden, das ist sowieso ein Wahnsinn. Da schimpft gepunktet über kariert, und auch bei den Parteien, wo man glaubt es wär ein wenig besser, verstecken sich oft ganz krasse Typen.

Wovon ich hier aber reden will, ist das was ich heute früh gelesen hab.
Da geh ich auf die Facebookseite eines bekannten sozialen Vereins einer Religionsgemeinschaft, die aufruft für Flüchtlinge zu sammeln. Und scheinbar haben manche Leute nichts Besseres zu tun, also über die Formulierung Witze zu reißen (von wegen ob die Windeln auch neuwertig sein müssen), oder ihren Grant darüber in die Welt zu schreien, dass die Flüchtlinge eh genug haben oder der besagte Verein das nicht 1:1 weitergibt.
Ich mein, GEHT'S NOCH?!?

Ich glaube da haben ein paar ganz viele Menschen hier in unserem Wohlstandsland noch immer nicht begriffen, wie die Situation wirklich ausschaut. Dass Menschen alles hinter sich lassen und vor Krieg, Terror und Gewalt flüchten, hier ankommen und NICHTS haben, und dann auch noch hin- und hergeschoben werden.

Ja, ich weiß, auch hier gibt's Armut. Das fängt schon bei alleinerziehenden Müttern an, oder Pensionisten, die gerade das Nötigste zum Leben haben. Darum geht's hier aber (jetzt) gerade nicht.

Es geht drum (und das klingt jetzt wunderbar kitschig und idealistisch) dass wir teilen und auf den Anderen schauen, und wenn das nicht in unserer Macht steht (weil nicht genug Geld oder Zeit oder beides - denn ja, man kann auch Zeit spenden! Siehe Webseite der besagten nicht-gesagten Organisation) - dann soll man entweder seine Stimme erheben (weil die hat man), oder, und das muss ich jetzt einfach in meiner ein bissl aggressiv-bedingten Situation gerade sagen: die Pappen halten.

Ich bekomm echt schon Angst in einer Welt und Zeit, wo so eine hitzige Stimmung gegen Arme und Ausgegrenzte herrscht. Wo das Leben und die Würde eines Menschen offenbar nichts mehr wert ist.

Wie schön ist es doch, wenn es dann doch noch Hoffnungsfunken in Form von Menschlichkeit in der Welt gibt.


(Und ich versprech's, "irgendwann" demnächst kommt leichtere Kost, und auch wieder allgemein mehr, aber zur Zeit is viel los, und ich hatte mehrere Tage kein Internet...)

Dienstag, 19. Mai 2015

4 Wochen "Über Gott und die Welt": Ein Resümee

Seit einem guten Monat ist "Über Gott und die Welt" nun online.

Was geschah seitdem?
Wie geht's mir dabei?
Wie wird's weitergehn?

Und vor allem: Was ist das jetzt nun eigentlich für ein Blog?! :D

Ich lese einige Blogs, schon länger, und das quer durch die Bank. Fashion, Lifestyle, Rezepte, Reisen usw. - all das sind Themen von gängigen Blogs, die viel Erfolg haben (Und die ich mit einer sehr gespaltenen Meinung les - aber ich les sie ja doch - zugegeben mein Laster! Dafür schau ich keine Serien ;-) ).

Daneben gibt es noch die stilleren, kleinen, die sich mit einem nachhaltigeren Lebensstil beschäftigen (die gutegüte zB http://www.guteguete.at/, oder die schon mal erwähnte Nunu https://ichkaufnix.wordpress.com/ oder auch die Tanja http://www.blattgruen.me/). Ein anderes Genre sind dann die Theologen unter den Bloggern (gut ich muss zugeben, die les ich persönlich eher weniger, aber ich kenn da zwei bekannte Gesichter aus OÖ).

Und was ist meiner?

Ich würd mich, wie der Blonde Engel so schön singt, als "irgendwo dazwischen" bezeichnen (https://www.youtube.com/watch?v=g8dwLzHcT8c).

Also nein, nicht ganz natürlich.
Ich mach hier weder einen auf mega Lifestyle, noch bin ich ein Fashiongirl (im Gegenteil: die Kunst, Selfies zu schießen und megacool in die Kamera zu schauen, besitze ich nicht). Rezepte? Fehlanzeige, mein Kochen besteht aus einfachen Studentengerichten (bis jetzt, wer weiß, vielleicht baue ich das noch aus; dass es blogtauglich wird, wage ich zu bezweifeln).

Reisen, ja, das kann ich mir vorstellen (wobei mein Jet-Set-Leben finanziell und zeitlich auch beschränkt ist).
Aber vor allem ist mein Blog hier so meine Art öffentliches Tagebuch oder meine Kolumne, in der ich Themen anspreche, die mich beschäftigen. Und die drehen sich um Alltag, Gesellschaft(skritik), Theologie, Ökologie, Nachhaltigkeit und vieles mehr. Mein Leben, und worüber ich mir Gedanken mache.

Mir macht's Spaß, und ich hätt's schon viel früher machen sollen!
Ich hoffe, es interessiert auch wen da draußen im world wide web (ich frage mich jedesmal, wer denn hinter den Seitenaufrufen steckt! hihi), was ich da so von mir geb.

Nun ja, so sieht's derweil aus. Neben der immer wieder aufkehrenden Frage "Was mach ich, wenn mir die Ideen ausgehen?!", denk ich mir "Egal, lass' auf dich zukommen!" und so lang's mir daugt, und mir was einfällt, gibt's hier auch Stoff!

Ich freu mich übrigens auf Feedback jeder Art - ob face to face von lieben Bekannten, oder hier als Kommentar von lieben Anonymen! ;)

ich_weltkind xxx



Samstag, 16. Mai 2015

Mit:leiden:schafft. Eine Passionsperformance.


Es ist schon länger her, doch es wirkt noch immer nach. So wie auch das Osterereignis nachwirken sollte... Und somit nehm ich die Woche zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten her für eine kleine Rückschau:


Für den heurigen Karfreitag haben 40 Jugendliche aus Steyr-Umgebung mit dem Schauspieler Hannes Benedetto Pircher die Passion Christi erarbeitet und in Steyr und Garsten aufgeführt, mit Schauspiel, Musik, Tanz, selbstgemachten Videos.

Es war einzigartig und es hat mich berührt, und noch immer muss ich zurückdenken. 

Ich wusste nicht, was mich erwartet, und bin umgehauen worden von dem Ergebnis. Es war so ein intensives Stück, mit schnellen und dichten Dialogen, vollgepackt mit tiefgründigen Aussagen und Zitaten aus Bibel, Philosophie und heutiger Zeit. Man konnte hinter die Personen der biblischen Erzählung blicken. Was beschäftigte Petrus, was bewegte Judas, was beunruhigte die Mutter Maria und was (oder wer?) berührte Jesus?

Gut, man muss hier anmerken: Es war oft wahnsinnig dicht! Sogar ich, als Theologin, hatte manchmal Schwierigkeiten mitzukommen - päm, päm, päm, Argument auf Argument, Zitat nach Zitat! Nicht leicht, wenn man z.B. kirchlich/theologisch nicht ganz so sozialisiert ist, aber auf jeden Fall eine tolle Herausforderung!

Nicht nur die Musik hinterließ eine Gänsehaut, sondern auch die Botschaft der Barmherzigkeit, und das Hoffen der JüngerInnen Jesu auf ihn und was mit und durch ihn kommen soll. Dazu kam dieses gleichzeitige menschliche Ringen Jesu mit dem bevorstehenden Tod, und das Vertrauen auf Gottes Plan.


Für einen kleinen Eindruck der Arbeit davor:
https://www.youtube.com/watch?v=KHDpY4us2zc


Ich bin den Jugendlichen und Mitwirkenden so dankbar für diese tolle Arbeit, die sie geleistet haben, und freu mich so für sie, dass die beiden Vorstellungen so ein großer Erfolg waren (Schade, dass die Leidensgeschichte halt nur am Karfreitag Sinn macht - es hätte sicher noch mehr Nachfragen für Vorstellungen gegeben.). Die biblische Erzählung auf moderne Weise aufzugreifen und auf so positive Weise zu hinterfragen - Bravo!


Und somit bleibt "nur noch" die Frage: Was ist vom Osterereignis in unserer heutigen Zeit noch vorhanden...?





Montag, 11. Mai 2015

Lesestoff: Oskar und die Dame in Rosa

Ich möchte hier am Blog so eine Art fixe Kategorie einführen. Und zwar handelt es sich um Buchrezensionen, von Büchern die mir am Herzen liegen.

Beginnen möchte ich mit zwei ungewöhnlichen Büchern, denn besonders beim zweiten handelt es sich eindeutig nicht um Erwachsenenliteratur (der Titel bleibt zumindest noch eine Überraschung ;) ). Sie haben aber eines gemeinsam: Sie befassen sich mit der Theodizee-Frage, also der Frage nach Gott angesichts des Leids in der Welt.

Das erste Buch, „Oskar und die Dame in Rosa“, wurde von Eric-Emmanuel Schmitt geschrieben und erschien 2002. Es handelt von dem kleinen Jungen Oskar, der im Krankenhaus liegt, und Leukämie hat. Er weiß, dass er bald sterben wird.

Das Buch ist in Briefform verfasst, da ihm die „Dame in Rosa“ (eine der Damen, die die Kranken ehrenamtlich besuchen) rät, Briefe an Gott zu schreiben. Oskar mag die „Oma Rosa“ besonders gerne, und so beginnt er auch damit. Außerdem sagt Oma Rosa zu ihm, dass er sein Leben in 12 Tagen einfach so leben soll, als ob ein Tag 10 Jahre ausmache.
Somit erlebt er in den wenigen Tagen sehr viel und entwickelt durch die Briefe (s)eine Beziehung zu Gott. Er befasst sich auch intensiv mit dem Verlauf der Zeit und dem bevorstehenden Tod.

Ich finde das Buch sehr besonders, sehr aussagekräftig, und würde es sowohl von der Art und Weise als auch vom "Können" her sofort dem "Kleinen Prinzen" von Saint-Exupery zuordnen. Es ist für mich sowohl (entschuldigt mir den abgedroschenen Ausdruck!) theologisch als auch pädagogisch sehr „wertvoll“. Ich habe mich in einigen Gedankengängen wieder gefunden, es sind Gedanken, die uns ein Leben lang beschäftigen können.

Ich möchte noch zwei Zitate hier anbringen, die mich tief berührt haben:

“Die interessanten Fragen bleiben immer Fragen. Sie bergen ein Geheimnis. Jeder Antwort muss man ein ‚vielleicht’ hinzufügen. Nur uninteressante Fragen haben eine endgültige Antwort.“
(Oma Rosa zu Oskar)

Ich danke dir, lieber Gott, dass (…) Du mich an die Hand genommen und mich mitten in das Herz des Geheimnisses geführt hast, um das Geheimnis anzuschauen. Danke.
(Oma Rosa)


Meine nächste Challenge wird dann wahrscheinlich sein, dass ich das Buch auf Französisch lese ;-)
Habt ihr noch mehr Literaturtipps für mich? Bücher, die euch viel bedeuten?




Donnerstag, 7. Mai 2015

"Was passiert, wenn wir vergessen uns zu erinnern?"

Was passiert, wenn wir vergessen uns zu erinnern?

Ok, ich muss gestehen, dieser Titel ist ersten geklaut, und zweitens schon etwas älter. Aber seit ich diesen Spruch entdeckt hab, lässt er mich nicht mehr los. Er stammt von einem künstlerischen Gedenkprojekt, das 2009 ins Leben gerufen wurde und an die Opfer des Nationalsozialismus in Österreich erinnern soll.

"70 Jahre Befreiung". 1945 - 2015.
Vor 70 Jahren hat eine erschreckend lange Zeit des Grauens ihr Ende genommen. 
Shoa. Krieg. Vernichtung. Entsetzen.

Ich hoffe es ist noch keiner leid, dies zu lesen oder zu hören.
Das Thema ist für mich so immens wichtig. Wir sollten uns immer daran erinnern, es auf keinen Fall vergessen.

Denn: Was passiert, wenn wir vergessen uns zu erinnern?

Darum geht es auch am Sonntag für mich nach Mauthausen.

Diese Erinnerungs- und Gedenkkultur ist mir auch als angehende Lehrerin wichtig. Ich will, dass sich meine Schülerinnen und Schüler mit dem Thema beschäftigen und auseinandersetzen. Und ich denke, dass wird eine sehr große Herausforderung, denn aus 70 werden 80, 90, 100 Jahre, und somit rückt die Vergangenheit immer mehr in weite Ferne, dann ist sie noch schwerer (be-)greifbar als jetzt. Dann sind auch die letzten Zeitzeugen verstorben, und die Erinnerungen verblassen noch mehr.

Es ist wichtig, dass wir zusammenhalten, dass wir uns gegen Unrecht wehren und dass wir nicht vergessen, was passiert ist und wozu Menschen fähig sind.




(Zu diesem Thema wird es hier immer wieder mal Beiträge geben, ein weiterer ist schon in Planung.)


Upside down: Weniger Text, mehr Bilder!

"Über Gott und die Welt" ist ja eher Text- als Bilderlastig.
Fotos sind zwar schön, und gute seh ich mir auch unheimlich gern an, ich und Fotografieren ist aber so eine Sache...

Und deswegen verweis ich aus Zeitgründen hier mal auf einen ganz besonderen Blog von einem ganz besonderen Lieblingsmenschen und Lieblingsfotograf:

http://fern-licht.blogspot.co.at/

Viel Spaß beim Reinschauen!

Freitag, 1. Mai 2015

Danke, Frau Haiden!

Ich mag sie, die Frau Haiden.

Wer jetzt nicht weiß, von wem ich rede: Christine Haiden, Chefredakteurin der Welt der Frau.
In den OÖN schreibt sie jeden Donnerstag eine Kolumne, und die vom letzten ist wieder richtig gut.

Ich bin froh, dass es nicht nur mir so geht mit dem Fremdeln. Auch ich tu mir oft schwer mit meiner Glaubensgemeinschaft, zu der ich ja doch gehöre, und gehören will, aber mit der ich auch immer hadere, und mich auch frage: "Gehöre ich da wirklich dazu? Ist das meine Welt?" (Letztens hab ich gerade mit einer guten Bekannten darüber geredet. Du erinnerst dich, V.?!)

Katholisch, das heißt "das Ganze betreffend", "allgemein". Für mich auch "all umfassend", und das heißt eben, dass alle mit eingeschlossen sind. Und das ist eben auch manchmal schwierig, weil so viele Meinungen und Vorstellungen zusammenkommen. Andererseits sollten wir uns dadurch nicht von unserem Kern der Glaubensbotschaft abbringen lassen, und zusammenzuhalten.

Dennoch hat mir das kritische Hinterfragen gefallen. Haiden hat für mich alles gesagt, was gesagt werden muss, lest das gerne bei ihr nach. Ihren letzten Satz muss ich aber zitieren, weil er so stark ist:

"Tradition ist gut, aber ich für meinen Teil lebe lieber im 21. Jahrhundert." (C. Haiden)